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Mittwoch, 29. Oktober 2008

Kaufen Sie nichts, was Sie nicht wirklich verstanden haben

Quelle: www.derwesten.de
Bankhäuser bieten weiterhin oft skurrile und undurchsichtige Geldanlagen an. "Doris" gibt gute Zinsen, wenn der Dax von 5000 auf 63.000 Punkte steigt. Auch Sternchen bringen kein Licht ins Angebots-Wirrwarr.

Nur 3,5 Prozent auf dem Tagesgeldkonto? Das geht doch besser, verspricht die aktuelle Werbung vieler Banken und Sparkassen. Dürfen es nicht auch Anlagen mit 4,5 Prozent oder gar "bis zu 5,5 Prozent" sein? Zahlreiche Geldhäuser versuchen mitten im Finanzmarkt-Desaster offenbar immer noch, die Gier in ihren Kunden zu wecken. Während in TV-Talk-Shows selbst Bankmanager die mangelhafte Transparenz vieler Geldanlagen beklagen, läuft es im Alltag meist wie bisher: Viele Bankprodukte sind schlicht nicht zu verstehen.
"Der Bankberater ist ein Verkäufer, der Geld verdienen muss"

Was tun? Thomas Bieler, Finanzexperte der NRW-Verbraucherzentrale, rät zur Vorsicht: "Die Kunden sollten sich darüber im Klaren sein: Der Bankberater ist ein Verkäufer von Bankprodukten, der Geld verdienen muss." Blindes Vertrauen kann teuer werden.

Da gibt es zum Beispiel "Doris". Das steht für "Dax ohne Risiko" und wird von vielen Volksbanken und einigen Sparkassen unters Volk gebracht - als "sichere Zinsanlage mit den Vorteilen einer attraktiven Aktienanlage". Für Bieler ist "Doris" hingegen "das momentan krasseste Beispiel dafür, wie man Leute betuppt". Die Anbieter setzten darauf, "dass die Kunden dieses Angebot selbst nicht nachrechnen können". Und das ist in der Tat nicht einfach.

Die Verzinsung der Einlage ist an die Entwicklung des Aktienindex' Dax geknüpft. Diese wird wöchentlich ermittelt. Steigt der Dax in der ersten Woche um zwei Prozent, zahlt die Bank für die sieben Tage zwei Prozent, sinkt der Dax in der nächsten Woche, gibt es für diese Zeit keine Zinsen. Und so weiter. Bieler hat ausgerechnet: Um ein Prozent Zinsen im Jahr zu bekommen, müsste der Dax in dieser Zeit z. B. von 5000 Punkten auf 8400 Punkte steigen. Um die "Renditechance von bis zu fünf Prozent" zu realisieren, müsste der Dax auf 63.200 Punkte klettern.
"Eine Anzeige ist keine Produkterklärung"

Frank Pinnow von der Sparkasse Bottrop, die "Doris" im Programm hat: "Da braucht man einen Berater, der das Produkt genau erklärt. Das ist nur etwas für Leute, die darin einen gewissen spielerischen Reiz sehen. Das hat auch mit Glück zu tun." Wer den Dax-Trend beobachte, könne ja jede Woche sein Geld bei "Doris" anlegen oder abheben. Es sei kein Produkt, bei dem man sein Geld lange Zeit unbeobachtet liegen lassen könne.

Das Gegenteil gilt für Kunden der Postbank, wenn sie sich für das "Quartal-Sparen" entscheiden. Sie müssen bestimmte Summen für bestimmte Zeiträume festlegen, sonst ist es nichts mit den "bis zu 5,5 Prozent" Zinsen, die eine Anzeige verspricht. Aber: Wie sich dieser Zinssatz ergibt, erfährt der Geldanleger im Kleingedruckten der Anzeige nicht. Da werden die 5,5 Prozent so erläutert: "Gesamtzins p. a. = Basiszins für das gesamte Sparguthaben + Quartal-Bonus für Quartalguthaben ab 50.000 Euro bis max. 500.000 Euro + zzgl. 1,25 % p. a. Extra-Sparbonus (für max. 6 Monate). . ." Alles klar? Muss es auch nicht sein, meint man bei der Postbank. Sprecherin Iris Laduch: "Eine Anzeige ist keine Produkterklärung. Sie hat die Aufgabe, auf ein Produkt aufmerksam zu machen." Wer versuchen will, das Angebot zu verstehen, wird von der Postbank auf Info-Blätter und die kostenpflichtige Hotline verwiesen.

Die Tricks der Banken

Quelle: www.derwesten.de
Essen/Berlin. Das ramponierte Image der Banken hält viele Geldhäuser nicht davon ab, auch mitten in der schwersten Finanzkrise weiter für Vermögensanlagen zu werben, die auf den ersten Blick nicht transparent sind.

Nach wie vor lauern auf Anleger, die sich von hohen Rendite-Versprechungen blenden lassen, böse Fallen. Das ergab eine Stichprobe der WAZ.

„Stecken Sie Ihr Geld nur in Anlagen, die Sie auch verstehen!” Dieser Tipp, der nun täglich von Verbraucherschützern, aber auch von Bankmanagern zu hören ist, lässt sich im Alltag oft nur schwer umsetzen. Da wird für Sparbücher geworben, die über fünf Prozent Zinsen bringen sollen, aber nur, wenn bestimmte Geldsummen nach einer bestimmten Größenstaffel bis zu einem bestimmten Datum für bestimmte Zeiträume festgelegt werden. Oft gilt das aber nur für „frisches Geld”, das noch nicht bei der Bank gelegen hat. Zudem gibt es die attraktiven Zinsen häufig nur für „Neukunden”, die nach wenigen Monaten „Altkunden” werden und dann nur noch deutlich niedrigere Renditen erhalten. Vor allem der Trick mit den Sternchen und dem oft unverständlichen Kleingedrucktem ist weiter die Regel.
"Trauen Sie keiner Bank"

Der Ratschlag von Thomas Bieler, Finanzexperte bei der NRW-Verbraucherzentrale: „Trauen Sie keiner Bank, denn diese hat andere Interessen als ihre Kunden.”

Und diese Kunden bringen einiges mit: 170 Milliarden Euro legen die deutschen Privathaushalte in diesem Jahr zur Seite. Dies sind etwa elf Prozent ihres Einkommen und damit etwas mehr als im vergangenen Jahr. Nur die Franzosen sind noch sparsamer. Die Amerikaner bilden das andere Extrem. Sie geben fast alles aus, was einnehmen. Viele leben sogar auf Pump.

Schulden sind vielen Deutschen hingegen ein Gräuel. Lediglich für den Kauf eines Eigenheims würden sich zwei Drittel der Haushalte verschulden. Anschaffungen werden durch Verzicht auf andere Dinge oder aus den finanziellen Reserven finanziert.
eingestellt durch: Rechtsanwalt Jürgen Graser

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